Abfallproblem in Fiesch: “Da häsch de Dräck!”

(Von Anna Luna und Hanna) Das Feriendorf blitzblank sauber? Niemals. Überall liegen Chipstüten, Dosen und Essensreste herum.  Das „Fiescher Tagblatt“ hat sich umgesehen und Schreckliches bemerkt! Obwohl überall Mülleimer stehen, sind die Jugendlichen zu faul, um den Abfall sachgerecht zu entsorgen. 

Die Arena und der Platz vor dem Pavillon 5 sind am schlimmsten betroffen.  „Immer wieder werden Esswaren aus dem Fenster geworfen,“ erzählt uns Martin (49) vom technischen Dienst. Die Folgen sehen wir am Boden: Zerquetschte Äpfel, Bananenschalen, ausgeleerte Chipstüten, zertrampelter Kuchen und Mohrenköpfe. Martin arbeitet seit drei Jahren im Sport- und Feriencenter Fiesch. Er ist vom Hausdienst und sorgt auf dem Areal für Ordnung. Die Lust auf Süssigkeiten ist ihm in den letzten Jahren vergangen: „Wenn man jeden Tag mühsam die Überreste von Mohrenköpfen vom Boden kratzen muss, hat man keine Lust mehr, so etwas zu essen“, sagt er. Mühsam zu entsorgen sind auch Kaugummis und Papierschnipsel. Und diese werden von den Jugendlichen am meisten auf den Boden geworfen. Jil (14, Yoga) und Tamara (14, Yoga) sagen: „Wenn gerade kein Kübel in Sicht ist, werfen wir schon mal ein kleines Papierchen auf den Boden.“  Dieser Ansicht sind die meisten Jugendlichen, weil sie einfach zu faul sind, um einen Eimer aufzusuchen. Oder sie achten gar nicht darauf, wie zum Beispiel Oskar (12, Video/Sport). Aber es geht auch anders: Margot (15, Kochen) sagt, dass sie nie etwas auf den Boden wirft. Auch Ismael (15, Video/Sport) ist dieser Meinung: „Ich bin Teil der Umwelt, also achte ich auf sie. Ich bin umweltbewusst.“ Auch die anderen geben an, dass ihnen der Umweltschutz wichtig ist. „Mal einen Kaugummi auf den Boden zu werfen, zerstört ja nicht gerade die Umwelt.“, meinen Andrea (14, Radio) und Erina (14, Radio). Andere Befragte denken zwar an die Umwelt wenn sie etwas wegwerfen, haben jedoch kein schlechtes Gewissen dabei.
Für Martin vom Hausdienst sind solche Leute gut. Er muss jeden Tag rund drei Stunden „fötzälä“. „Am schlimmsten ist geschmolzene Schokolade. Die bringt man fast nicht mehr weg, und muss sie dann mit heissem Wasser wegspülen.“ erklärt Martin. Den ekligsten Fund, den Martin jemals gemacht hat, war ein Tintenfisch in einem Container. Woher der kam, weiss niemand. „Dieser Tintenfisch hat furchtbar gestunken!“

Obwohl es am Morgen auf dem Areal jeweils schrecklich aussieht, sind die Zürcher nicht die schlimmsten Besucher des Sport- und Feriencenters. Die Teilnehmer des Sportferienlagers der Stadt Bern waren letztes Jahr weitaus die schlimmsten. „Das war jeweils Horror!“ erzählt Martin. „Das Lagerareal war am Morgen jeweils mit Abfall zugepflastert. Man konnte den Boden gar nicht mehr sehen.“ Fünf bis sechs Stunden am Tag musste Martin jeweils aufräumen. Es habe jeweils ausgesehen wie nach der Street Parade, sagt er. Das Berner Lager-Team hat nun aber reagiert: Sie haben letztes Jahr ihre eigene Putzequipe nach Fiesch mitgebracht, welche sich um das Abfallproblem kümmerte.

Was kann man gegen diese Unmengen von Abfall tun?

Laura (13, Video/Sport)und Sarina (14 Video/Sport) schlagen vor, neue Verpackungen zu erfinden, die sich selbst auflösen. Oskar (12, Video/Sport), Andrea (14, Radio) und Erina (14, Radio) sind wie die meisten anderen dafür, mehr Abfalleimer aufzustellen. Eigentlich gibt es im Feriendorf aber genügend Abfalleimer auf dem Areal. Laut Martin sind es etwa 40 Kübel.
Manchmal, wenn Martin Kinder beim Müll wegwerfen erwischt, spricht er sie darauf an:

„Manchmal antworten die Kinder frech: Das ist Ihr Job. Sie sind ja angestellt, um Abfall einzusammeln. Ich finde dieses Denken respektlos. Aber was soll ich machen?“ In solchen Fragen hilft Rebecca vom Beratungs- und Betreuungsdienst (BBD) vom Fiescher Lager:„Wenn ich jemanden dabei erwische, dass er Dreck macht, dann muss er zum „Fötzeln“ antraben.“

This entry was posted in 13. Oktober 2011, News. Bookmark the permalink.

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